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Synchronisation

Da Threads auf die gleichen Objekte auf im Heap zugreifen, können sie so sehr effizient Daten austauschen. Es besteht jedoch das Risiko der Datenkorruption, da man oft mehrere Daten gleichzeitig verändern muss um sie von einem konsistenten Zustand in den nächsten konsistenten Zustand zu überführen. 

Die Sitzplatzreservierung in einem Flugzeug ist hierfür ein typisches Beispiel:

Mehrere Reisebüros prüfen ein Flugzeug auf die Verfügbarkeit von 10 Plätzen für eine Reisegruppe. Ergibt das Lesen der Belegungsvariable 20 freie Plätze, so fährt Reisebüro 1 fort und liest weitere Daten um die Buchung vorzubereiten. Verzögert sich die endgültige Buchung so kann es vorkommen, dass ein zweites Reisebüro die Verfügbarkeit von 15 Plätzen abfragt und die 15 Plätze bucht. Das zweite Reisebüro erhöht den Belegungszähler also um 15 Plätze.

Kommt das erste Reisebüro nun endlich mit seiner Buchung vorran und erhöht die ursprünglich ausgelesene Variable um 10 ergibt sich ein inkonsistenter Zustand.

Man muss also in Systemen mit parallelen Zugriff auf Daten die Möglichkeit schaffen nur einen Thread über eine gewisse Zeit auf einem Datensatz (Objekt) arbeiten zu lassen um wieder einen konsistenten Zustand herzuführen.

Darf nur ein Thread gleichzeitig auf einer Variablen arbeiten, so nennt man diese eine kritische Variable. Die Zeit die ein Thread mit der Bearbeitung einer solchen Varriablen verbringt nennt man den kritischen Abschnitt oder auch den kritischen Pfad.

Das oben geschilderte Problem beim gleichzeitigen Zugriff nennt man auch "Reader/Writer" Problem, da das Lesen und Schreiben auf dem Datum atomar erfolgen muss. Da in in nebenläufigen Systemen diese Datenkorruption ausschlieslich von der Geschwindigkeit und dem zufälligen paralleln Zugriff abhängt nennt man ein solches Problem auch eine "Race Condition". Die Datenkorruption tritt zufällig und abhängig von der Ausführungsgeschwindigkeit auf.

Beispiel: Nichtatomares Inkrement in Java

Der ++ Operator ist Java ist nicht atomar. Dies bedeutet, dass zwei Threads einen bestimmten Wert auslesen können und der erste Thread schreibt den um 1 erhöhten Wert zurück während eventuell der zweite Thread noch etwas Zeit benötigt. Schreibt der zweite Thread dann den gleichen inkrementierten Wert zurück wurde die Zahl nur einmal inkrementiert. Es liegt eine Datenkorruption vor.

Im Programm ParaIncrement wird eine gemeinsame Variable zaehler von zwei Threads gleichzeitig inkrementiert. Der Wert der Vriablen sollte immer doppelt so groß wie die Anzahl der Durchläufe (Konstante MAX) eines einzelnen Threads sein.Die Korruption im Programm ParaIncrement findet relativ selten selten statt. Man muss die Konstante K für die Anzahl der Durchläufe eventuell abhängig vom Rechner und der Java virtuellen Maschine anpassen:

package Kurs2.Thread;

public class ParaIncrement extends Thread {
public static int zaehler=0;
public static final int MAX= Integer.MAX_VALUE/10;

public static void increment() {
zaehler++;
}

/**
* Starten des Threads
*/
public void run() {
for (int i=0; i < MAX; i++) {
increment();
}
}

public static void main(String[] args) {
ParaIncrement thread1 = new ParaIncrement();
ParaIncrement thread2 = new ParaIncrement();
long time = System.nanoTime();
thread1.start();
thread2.start();
try {
thread1.join();
thread2.join();
} catch (InterruptedException e) {
}
time = (System.nanoTime() -time)/1000000L; // time in milliseconds
if ((2* ParaIncrement.MAX) == ParaIncrement.zaehler)
System.out.println("Korrekte Ausführung: " +
+ ParaIncrement.zaehler + " (" + time + "ms)");
else
System.out.println("Fehler! Soll: " + (2* ParaIncrement.MAX) +
"; Ist: " +ParaIncrement.zaehler + " (" + time + "ms)");
}
}

Wechselseitiger Ausschluss

Zur Vermeidung der oben genannten Korruption ist es wichtig sicher zustellen, dass nur ein Thread gleichzeitig Zugriff auf diese Daten hat.

Definition
Kritischer Abschnitt/ Kritischer Pfad
Ein kritischer Abschnitt ist eine Folge von Befehlen, die ein Thread nacheinander vollständig abarbeiten muss, auch wenn er vorübergehend die CPU and einen anderen Thread abgibt. Kein anderer Thread darf einen kritischen Abschnitt betreten, der auf die gleichen Variablen zugreift, solange der erstgenannte Thread mit der Abarbeitung der Befehlsfolge noch nicht fertig ist. (siehe: Goll, Seite 744)

Einfachste Lösung: Verwendung von Typen die den kritischen Pfad selbst schützen

Das Java Concurrency Paket bietet reichhaltige Möglichkeiten und Klassen. Das oben gezeigte Beispiel kann mit Hilfe der Klasse AtomicInteger sicher implementiert werden. Die Klasse AtomicInteger erlaubt immer nur einem Thread Zugriff auf das Datum. Die entsprechende Implementierung ist:

package Kurs2.Thread;
import java.util.concurrent.atomic.AtomicInteger;
public class ParaIncrementAtomicInt extends Thread {
public static AtomicInteger zaehler;
public static final int MAX= Integer.MAX_VALUE/100;
public static void increment() {
zaehler.getAndIncrement();
}
/**
* Starten des Threads
*/
public void run() {
for (int i=0; i < MAX; i++) {
increment();
}
}
public static void main(String[] args) {
zaehler = new AtomicInteger(0);
ParaIncrementAtomicInt thread1 = new ParaIncrementAtomicInt();
ParaIncrementAtomicInt thread2 = new ParaIncrementAtomicInt(); long time = System.nanoTime();
thread1.start();
thread2.start();
try {
thread1.join();
thread2.join();
} catch (InterruptedException e) {
} time = (System.nanoTime() -time)/1000000L; // time in milliseconds
if ((2* ParaIncrementAtomicInt.MAX) == zaehler.get())
System.out.println("Korrekte Ausführung: " +
+ ParaIncrementAtomicInt.zaehler.get() + " (" + time + "ms)");
else
System.out.println("Fehler! Soll: " + (2* ParaIncrementAtomicInt.MAX) +
"; Ist: " +ParaIncrementAtomicInt.zaehler.get() + " (" + time + "ms)");
}
}

Vergleichen Sie die Laufzeiten beider Anwendungen! Die Anwendung bei der immer nur ein Thread auf das Objekt zugreifen kann ist erheblich langsamer, jedoch korrekt.

Sperren durch Monitore mit dem Schlüsselwort synchronized

Um die oben gezeigten Möglichkeiten von Korruptionen zu vermeiden verfügen Javaobjekte über Sperren die Monitore genannt werden. Jedes Javaobjekt besitzt einen Monitor der gesetzt ist oder nicht gesetzt ist.

  • Ein Monitor wird gesetzt wenn eine Instanzmethode des Objekts aufgerufen wird, die mit dem Schlüsselwort synchronized versehen ist.
  • Kein anderer Thread kann eine synchronisierte Instanzmethode des gleichen Objekts aufrufen, solange der Thread der den Monitor erworben hat noch in der synchronisierten Methode arbeitet.
    • Alle anderen Threads werden beim Aufruf einer synchronisierten Instanzmethode des gleichen Objekts blockiert und müssen warten bis der erste Thread die synchronisierte Methode verlassen hat.
  • Nach dem der erste Thread die synchronisierten Methode verlassen hat, wird der Monitor wieder freigegeben.
  • Der nächste Thread, der eventuell schon wartet kann den Monitor erwerben.

Es ist wichtig zu verstehen, dass in Java immer die individuellen Objekte mit einem Monitor geschützt sind. Sind zum Beispiel die Sitzplätze eines Flugzeuges durch Java-Objekte implementiert, so kann man mit der gleichen synchronisierten Methode auf untrschiedlichen Objekte parallel arbeiten.

Am Beispiel der Klasse Sitzplatz kann man sehen wie man den Monitor für einen bestimmten Sitzplatz setzen kann:

package Kurs2.Thread;

public class Sitzplatz {
private boolean frei = true;
private String reisender;

boolean istFrei() {return frei;}

/**
* Buche einen Sitzplatz für einen Kunden falls er frei ist
* @param kunde Name des Reisenden
* @return erfolg der Buchung
*/
synchronized boolean belegeWennFrei(String kunde) {
boolean erfolg = frei; // Kein Erfolg wenn nicht frei
if (frei) {
reisender = kunde;
frei = false;
}
return erfolg;
}

}

Die Methode belegeWennFrei() kann jetzt nur noch von einem Thread auf einem Objekt gleichzeitig aufgerufen werden. Die Methode istFrei() ist nicht synchronisiert und in einer parallelen Umgebung nicht sehr relevant. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass bei der nächsten Operation der freie Zustand noch gilt.

Wichtig
Monitore und Schutz von Daten

Monitore schützen nur die synchronsierten Methoden eines Objekts. Dies bedeutet

  • Nicht synchronisierte Methoden der Klasse können weiterhin parallel aufgerufen werden
  • Die Attribute einer Objektinstanz sind nicht selbst geschützt. Man schützt Sie indirekt mit dem Schlüsselwort private. Hierdurch ist der Zugriff auf die Attribute auf die eigenen Methoden beschränkt. Die Methoden der Klasse können wiederum mit synchronized geschützt werden.

 

Statische synchronisierte Methoden

Das Schlüsselwort synchronized kann auch verwendet werden um einen Monitor für die Klasse zu setzen. Dieser Monitor hat aber keinen Einfluss auf den Zugriff auf die Objekte einer Klasse! Er schützt nur statische Methoden der Klasse.

Beispiel: Man kann das Korruptionsproblem in der Klasse ParaIncrement beheben in dem man die statische  Methode increment() synchronsiert:

public static synchronized void increment() {
        zaehler++;
    }

Die Variable zaehler ist in diesem Beispiel eine statische Variable. Sie gehört nicht zu einem der beiden erzeugten Objekten.

Synchronisierte Blöcke

Man muss nicht notwendigerweise eine gesamt Methode synchroniseren. Java bietet auch die Möglichkeit einzelne Blöcke zu synchronisieren. Das Synchronsieren eines Blocks erfolgt ebenfalls mit Hilfe des Schlüsselworts synchronized. Hier muss man jedoch das Objekt angeben für welches man einen Monitor erwerben will.

Man kann die Sitzplatzreservierung auch mit Hilfe eines synchronisierten Blocks implementieren:

boolean belegeWennFrei(String kunde) {
        boolean erfolg;
        synchronized (this) {
            erfolg =  frei; // Kein Erfolg wenn nicht frei
            if (frei) {
                reisender = kunde;
                frei = false;
            }
        }
        return erfolg;
    }

In dieser Implementierung kann die Methode belegeWennFrei() parallel aufgerufen werden. Beim Schlüsselwort synchronized muss jedoch für das aktuelle Objekt der Monitor erworben werden bevor der Thread fortfahren kann. 

Referenzen

  • Goll,Heinisch, Müller-Hoffman: Java als erste Programiersprache, Teubner Verlag
  • IBM Developerworks: Going Atomic: Gute Erklärung zu synchronisierten Zählern (AtomicInteger)

 



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